Definition
Ein Bewertungsmodell, das den Wert einer Immobilie schätzt, indem es die aktuellen Wiederherstellungs‑ oder Reproduktionskosten der baulichen Anlagen und den Bodenwert summiert und dann die aufgelaufene Abschreibung (physisch, funktional und extern) abzieht, um einen indikativen Immobilienwert zu erhalten.

Prinzip

Prinzip
Das Sachwertverfahren beruht auf der Annahme, dass ein vernünftiger Käufer nicht mehr für ein bebautes Grundstück zahlen wird als für den Erwerb eines gleichwertigen Grundstücks und die Errichtung einer gleichwertigen Ersatzbaute, bereinigt um Wertverluste durch Abschreibung und Obsoleszenz.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario — Situation: Bewertung eines kürzlich fertiggestellten Schulgebäudes. Erkennen: Baukosten sind aktuell und das Gebäude ist spezialisiert. Handeln: Ein Gutachter schätzt die Wiederbeschaffungskosten der Verbesserungen, ermittelt aufgelaufene physische und funktionale Abschreibungen und addiert den Bodenwert, um einen indikativ en Wert zu erhalten. Folge: Das Sachwertverfahren liefert eine glaubwürdige Indikation, insbesondere wenn Marktvergleichswerte begrenzt sind und die Wiederbeschaffungskosten beobachtbar sind.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Verwendung von Reproduktionskosten, wenn Reproduktionskosten nicht gerechtfertigt sind (oder umgekehrt), oder das Ignorieren funktionaler Obsoleszenz (z. B. veraltete Grundrisse) und dadurch Wertüberschätzung; der Fehler liegt in der falschen Bestimmung der Kostenbasis und der relevanten Abschreibungsarten für den Bewertungszweck.

Konsequenz

Konsequenz
Korrekt angewandt ist das Sachwertverfahren ein nützliches Prüfverfahren—insbesondere für neue, zweckgebundene oder nicht marktgängige Objekte—und stellt die Bodenkomponente separat dar; bei Fehlanwendung neigt es dazu, den Wert für ältere Gebäude mit nicht erkannten Obsoleszenzen zu überschätzen und irreführende Indikationen zu liefern.

Umkehrung

Umkehrung
Wenn verlässliche Marktverkaufs‑ oder Ertragsdaten vorliegen, ist das Sachwertverfahren oft nachgeordnet; bei älteren Gebäuden mit komplexer oder kumulativer Abschreibung können Ertrags‑ oder Vergleichswerte den Marktwert besser widerspiegeln.

Abgrenzung

Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: neue oder nahezu neue Spezialbauten und Grundstücke, für die Wiederbeschaffungskosten vorliegen. Randfall: Gebäude mittleren Alters, die eine sorgfältige Schätzung des tatsächlichen Alters und der funktionalen Obsoleszenz erfordern. Eindeutig außerhalb: übliche Markttransaktionen für gängige Wohngebäude, bei denen Vergleichsverkäufe stärkere Marktevidenz liefern.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zwischen einer kostenorientierten, auf Wiederbeschaffung fokussierten Wertermittlung und marktgesteuerten Preisindikatoren; das Sachwertverfahren misst die wirtschaftliche Rekonstruktionsäquivalenz, während Marktansätze tatsächliche Transaktionspreise erfassen, die von Nachfrage, Knappheit und Investorenstimmung beeinflusst werden.

Synthese

Synthese
Das Sachwertverfahren zerlegt den Wert in seine Komponenten (Grundstück plus abgeschriebene Herstellungskosten der baulichen Anlagen) und ist besonders aufschlussreich, wenn Kostendaten zuverlässig sind; seine Aussagekraft hängt von der sorgfältigen Unterscheidung zwischen Wiederbeschaffungs‑/Reproduktionskosten und der rigorosen Schätzung aller Abschreibungsformen ab.